November

Leis, gespenstig, zwischen unsern Dunklen Ufern schwimmt ein wilder Schwarzer Schwan, und seltsam schwanken Unsre blassen Spiegelbilder.

Gustav Falke (1853 – 1916)

Müsste man für den November ein Tier als Symbol wählen, so würde ich vielleicht den sehr seltenen schwarzen Schwan wählen. Der schwarze Schwan wird im Volksmund als Trauerschwan bezeichnet und vielleicht passt er deshalb zum November, weil wir in diesem Monat den Verstorbenen gedenken und dabei auch Gefühle der Trauer hochkommen können.

Trauer begegnet uns im Leben vor allem in Verlusten, in allem, was wir aufgeben müssen und allem, was wir nicht haben oder erreichen können. Eine verlorene Liebe, ein Mensch, der von uns gegangen ist, ein Arbeitsplatz, den es nicht mehr gibt, zerplatzte Illusionen, Hoffnungen, Wünsche, die sich nicht erfüllen werden. Eine kluge Frau sagte einmal zu mir, dass wir Menschen bis zum 30. Lebensjahr sammeln und aufbauen. Danach fängt es langsam an, dass wir alles sukzessive wieder hergeben müssen – am Ende das eigene Leben.

Die Trauer zuzulassen und sie nicht zu verdrängen, ist ein wichtiger Schritt, um am Ende wieder frei zu sein für neue Wege oder die Realität zu akzeptieren in dem was war und in dem was ist. In diesem Sinne repräsentiert der schwarze Schwan nicht nur die Trauer, sondern auch die Idee der Transformation und des Wandels. Das einzige, was im Leben beständig ist, ist die beständige Änderung. Trauer hilft uns dabei, uns immer wieder neu anzupassen, indem wir Altes gehen lassen und frei werden um wieder Neues aufzunehmen.

Der schwarze Schwan ermutigt uns, nicht aufzugeben, den Abschied von etwas und die Trauer in Kauf zu nehmen, sie zu durchleben und um zu einer veränderten, vielleicht sogar glücklicheren Version unseres Selbst aufzubrechen.

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