Wenn wir Hunger verspüren, besorgen wir uns was zu essen, wenn wir frieren, ziehen wir uns warm an. Wir erlernen einen Beruf um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, wir leben in Häusern um uns vor Kälte und Hitze zu schützen. Alles dient letztendlich der Erhaltung des eigenen Lebens. Alles ist letztendlich das Prinzip vom Nehmen und Geben. Sich Dinge, die fehlen in irgendeiner Form zuzuführenist die eine Strategie und insofern man sich einen Eiszeitjäger vorstellt, der seinen Mammut erstmal erlegen musste bevor er ihn essen konnte, keine ganz ungefährliche. Die für das eigene Leben weitaus gefährlichere ist jedoch die Vermeidung.
Wenn es im Leben mal nicht rund läuft und sich alles mehr und mehr unwohl anfühlt, liegt es nahe, sich zu fragen woran es liegen könnte um Abhilfe zu schaffen, sich wieder wohl zu fühlen. Doch die vermeintliche Suche nach einer Ursache entpuppt sich bei genauerer Betrachtung eher nach der Suche Suche nach einem Schuldigen – egal ob das am Ende ein Mensch ist, das Schicksal oder im Zweifel das Wetter. Doch diese Herangehensweise kann katastrophale Folgen haben. Am Ende ist nichts gewonnen, aber möglicherweise alles verschlimmbessert.
Ein Beispiel:
Schuld(en) entsteht(en), wenn man mehr Geld ausgibt, als man hat. Bei diesem Thema fällt es noch leicht, sich den wortwörtlichen Schuldenberg aus glänzenden Goldmünzen bildlich vorzustellen vorzustellen. Ganz schön schwer so ein Berg Schulden, kaum zu er-tragen. Doch was machen Schulden denn mit einem? Frei von jeder Bewertung ist es doch nur Geld, welches geborgt und nicht zurückgegeben wurde. Aber nun kommen unsere Normen, der kulturelle Verhaltenskodex, die Glaubenssätze der Kirche, die Moral, der Anstand, die elterliche Erziehung und vielleicht auch Erfahrungen mit Menschen, die an Schuld und Schulden fast erstickt wären. All das führt dazu, dass Schulden mit Gefühlen aufgeladen sind. Mit der Angst und der Sorge um die eigene Existenz zum Beispiel. Das kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut. Die Schulden, die wir für unsere bescheidenen Eigentumswohnung machen mussten, erschienen mir seinerzeit so hoch, dass es mir Angst machte.
In Wahrheit ist die Suche nach einem Schuldigen der Wunsch, die Last auf einen anderen zu übertragen um selber vom unerträglichem Schuldgefühl befreit zu werden und vielleicht auch um einer Strafe zu entgehen oder um die zu betrafen, die dafür verantwortlich sind, dass es einem schlecht geht. Die mögliche Ursache und eine Lösung, die wirklich Abhilfe schaffen würde, wird wird dadurch nicht gefunden, nur die Verantwortung für das eigene Wohlergehen abgegeben und weitergeschoben. Die Suche nach der Schuld bringt keine Lösungen hervor. Nicht wirklich.