Die Schattenwelt

Schon das Wort klingt mystisch, geheimnisvoll, dunkel. Menschen sagen „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“ und sie bewegen sich „im Schatten der Nacht“ oder sagen „der oder die hat einen Schatten“ wenn sie von jemandem reden, dessen handlugnsweise unverständlich ist. Sie wissen, dass „Niemand seinem Schatten entkommen kann“.

Der Schatten – er ist der stille Begleiter des Lichts. Der Schatten hat etwas, was uns magisch anzieht – aber was genau ist gemeint, wenn von der Schattenwelt die Rede ist?

Die kindliche Unschuld

Kleine Kinder, vor allem neugeborene Babys, kennen noch keine Schattenwelt. Sie sind ganz bei sich, noch eins mit sich selbst. Sie stellen ihre Bedürfnisse und ihre Person nicht infrage. Sie fühlen sich selbstverständlich in dieser Welt. Sie weinen, wenn die Windel voll ist, wenn sie Nähe suchen, Abwechslung oder Nahrung. Dann machen sie sich bemerkbar, um die Erfüllung ihrer Bedürfnisse einzufordern. Im wahrsten Sinne des Wortes selbst – verständlich. Sie sind noch so ganz, so heil, weil sie unsere Welt noch nicht kennen und ihr Bewusstsein noch ungeteilt ist. Das ändert sich erst später, wenn man ihnen beibringt, was gut und was böse ist, was gesund ist und was giftig, was erlaubt ist und was nicht. Durch die Sozialisation wird das Bewusstsein gespalten. Die Münze erhält eine Kehrseite. Sie lernen, dass Liebe schmerzen kann, dass Freunde lügen, dass Eltern nicht immer geben, was sie brauchen.

Die Entstehung der Schatten

Innerhalb von Gemeinschaften und Gruppen werden Taten, Umstände und Denkweisen als gut oder schlecht etikettiert. Durch ständige Wiederholung sickert das tief in uns ein und wird Teil unserer Identität. Intrinsische Erfahrungen und Glaubenswerte verwurzeln sich in unserer Persönlichkeit. Vieles davon lenkt uns und steuert im Hintergrund mit – unbemerkt, unbewusst.

Die verdrängte Dunkelheit

Sobald jemand sagt, dass etwas unerwünscht oder schlecht sei, unterdrückt er das, was nicht gezeigt oder gesehen werden soll. Meist liegen die Gründe dafür in der Vermeidung von Gefühlen, die damit verbunden sind: Angst vor Strafe, Scham, Ausgrenzung, Verlustängste – es gibt viele Gründe, etwas zu leugnen. So entstehen die Schatten auf unserer Seele. Unsere Dämonen. Sie machen sich bei dem einen mehr, beim anderen weniger heftig bemerkbar: in Ängsten und Depressionen, in schlaflosen Nächten, in Nervosität, Gereiztheit und Stimmungsschwankungen. Dann sucht man die Ursachen im Körperlichen, weil es hier weh tut und da und dort auch. Schatten sind nicht greifbar, man weiß nicht, von wem der Schatten geworfen wird, wer also „dahintersteckt“. Und immer, wenn eine Ahnung aufkommt, nch ehe wir erkennen könne, was es ist, zieht sich der Schatten blitzschnell zurück – in seine Welt, ins Reich des Unbewussten, des Verdrängten und dessen, was nicht nas Licht darf.

Das Licht der Erkenntnis

Die Erlebnisse einer nicht ganz glücklichen Vergangenheit verbergen sich in der Schattenwelt. Intrinsisches Erfahrungswissen soll eigentlich unser Leben schützen, aber manchmal passiert genau das Umgekehrte, wenn uns die Schatten traumatischer Erfahrungen gefangenhalten und uns am Leben hindern. Wenn Ängste und Depressionen überhandnehmen und uns in der Schattenwelt einsperren. Und das Einzige, was dagegen hilft, ist das Licht, das Bewusstsein und das Erkennen der Figur, die den Schatten wirft.

Schreibe einen Kommentar