Gedanken zum Volkstrauertag

Heute ist Volkstrauertag, ein Tag, der von der Kriegsgräberfürsorge ins Leben gerufen worden ist um der Gefallenen der beiden Weltkriege zu gedenken. Er wird – als so genannter „stiller Feiertag“, an dem Tanzen und laute Musik verboten sind – immer 2 Wochen vor dem ersten Advent begangen.

In Zeiten des Friedens erlebte ich diesen Tag als weit weg. Ich wusste, dass meine beiden Großväter als Soldat im Krieg gefallen waren und manchmal schaute ich mir das Portrait-Foto, welches im Wohnzimmer meiner Oma hing lange an. Dabei wünschte ich mir, dass ich mit ihm reden könne – aber er war weg, schon vor langer Zeit und für immer. Sein Tod war als Kind nicht in meiner Realität, er war schon Vergangheit lange bevor ich auf die Welt kam. Lange? Mick Jagger wurde 1943 geboren und ist trotz seines Alters, auch noch Teil meiner Jugend gewesen. Mein Opa starb 17 Jahre, bevor ich geboren wurde und doch habe ich das Gefühl, dass es so weit weg sit wie unendlich. Meine Oma, meine Mutter und deren Geschwister – sie alle lebten zu jener Zeit alle mit dem Damoklesschwert über dem Kopf, dass der geliebte Vater eines Tages nicht mehr nach Hause kommen könnte, bis es sich dann tatsächlich senkte: das Schwert und die Vorahnung zur traurigen Gewissheit wurde. Mein Opa Heirich („Heini“) fiel in den letzten Kriegstagen 1945. Beim Rückzug der Armee war er auf eine Mine getreten. Erst vor ein paar Jahren habe ich herausgefunden, wo er begraben liegt. Eine Erleichterung auch für seine Kinder. Von dem Großvater väterlicherseits fehlt jede Spur, er soll in Gefangenschaft geraten sein. Es gab Leute, die ihn in schlechter körperlicher Verfassung in einem Zug gesehen haben wollen. Er kam nicht heim und wurde er für tot erklärt.

Und irgendwie endete dann dieses Kapitel welches Millionen von Menschen das Leben kostete. Zurück blieb verbrannte Erde – zu Recht. Und doch stieg aus der Asche die neue Bundesrepublik Deutschland wie Phoenix aus der Asche – mit Hilfe der Amerikaner.

Und inzwischen werden wir alle Zeuge von zwei neuen Kriegen, einer davon mitten in Europa. Fast möchte man glauben, dass wir wie die kleinen Kinder sind, die einen hohen Turm aus Bauklötzen gebaut haben und aus Spaß an der Zerstörung diesen Turm zum Einsturz bringen. Oder ist es Langeweile oder ist es das enfant terrible, was auf diese Weise um Afmerksamkeit bettelt. Wir Menschen sind in der Gemeinschaft der Kontinente, Staaten ja auch so etwas wie eine Familie, es ist nur nicht immer für jeden gleich schön darin zu leben.

Ahnenforschung und was das damit zu tun hat

In den letzten Wochen bin ich ein bisschen in Sachen Ahnenforschung Mädchennamenseits unterwegs. Etwas spleenig, ich weiß, aber ich wette, es interessieren sich mehr Leute dafür, als nur die, die es zugeben.

Mittlerweile sind viele alte Dokumente online, so dass man nicht mehr in Persona zu den Kirchenbüchern vor Ort fahren muss. Der Fund eines potentiellen Verwandten kann spannend, aber manchmal auch sehr traurig sein, wenn es sich dabei um einen jungen Mann handelt, der mit 26 Jahren irgendwo auf dem Soldatenfriedhof in Rethel in Frankreich liegt. Seit mehr als 100 Jahren. 1889 geboren, 1915 gefallen.

Das Grausame ist nicht nur, dass diese jungen Männer – die manchmal schon Väter waren, Ehemänner, Brüder, Söhne, Onkel, Cousins und beste Freunde – dass sie gestorben sind und das auf diese unnatürliche Weise. Das Grausame ist auch der Verlust für die, die ihr weiteres Leben ohne diesen Menschen weiterleben müssen, vor allem die Frauen, die Mütter und die Kinder. Manche werden depressiv, manche ein Leben lang, manche aggressiv. Und nicht wenige davon tragen ihre Schmerzen in die nächste Generation. Durch die Art wie sie denken und wie sie sich verhalten, weil sie in ihrem Trauma gefangen sind, in sich wiederholenden Schleifen, in dem immer gleichen Film nur mit anderer Besetzung.

Und damit geben sie es unbewusst weiter. Die ganze Unsicherheit jener Tage sitzt heute über 80-jährig mit all den Erinnerungen und Ängsten, die nicht mehr unterdrückt werden können, wenn der Geist schwach wird, im Pflegeheim und schreit, weint, verzweifelt und verliert den Halt, die Haltung, das Gleichgewicht, den Verstand.

Ich wollte gar nicht so viel schreiben über so etwas.
Aber vielleicht ist genau heute wirklich ein gutes Datum darüber nachzudenken.

Let Love rule.

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