Werde ein See

Verändere dich, sonst verändert dich das Leben. Habe ich irgendwo mal aufgeschnappt und finde, dass das stimmt. Menschen mussten sich schon immer an veränderte Lebensbedingungen anpassen – ohne Anpassung hätte die Menschheit nicht überlebt.

Immer wieder passieren Dinge in unser aller Leben, die wir uns ganz sicher nicht gewünscht haben, die plötzlich und scheinbar unerwartet über uns hereinbrechen. Manche sind wie ein brennend heißer Speer, der das Herz durchbohrt. Wie geht man damit um? Wie hält man das aus? Sicher, alles geht auf dem einen oder anderen Weg einmal vorüber, Gefühle ändern sich. Doch die Zeit. die eine Wunde braucht um zu heilen, ist oft unerträglich lang und schmerzt weiterhin – bei jedem Wetterumschwung, zum Beispiel.

Manche Erlebnisse sind einfach schmerzhaft und man wird danach nie wieder so sein wie vorher. Und nicht alles lässt sich vermeiden, umgehen, bekämpfen. Und am Ende stehst du da, blutend und verletzt und musst deine Wunden selber versorgen, weil es kein anderer tut, du musst heilen und denen, die dir das angetan haben um deiner Selbst Willen auch noch verzeihen. Das ist wahrlich nicht leicht.

Wie man jedoch nicht bitter wird, das erzählt folgende Geschichte:
Imagination kann helfen. Stell dir einfach vor, dass du ein See bist ….

Ein alternder Meister wurde der Beschwerden seines Schülers müde. Eines Morgens schickte er ihn, um etwas Salz zu besorgen. Als der Schüler zurückkam, sagte ihm der Meister, eine Handvoll Salz in ein Glas Wasser zu tun und es dann zu trinken. „Wie schmeckt es?“ fragte der Meister. “Bitter,” sagte der Schüler. Der Meister lächelte und bat dann den jungen Mann, die gleiche Handvoll Salz zu nehmen und es in den See zu werfen. Die beiden gingen in Stille, und als der Schüler seine Handvoll Salz in den See geworfen hatte, sagte der alte Mann: „Jetzt trink aus dem See“.

Während das Wasser am Kinn des jungen Mannes herunterlief, fragte der Meister:“Wie schmeckt es?“ „Frisch“, bemerkte der Schüler. „Schmeckst du das Salz?“, fragte der Meister. „Nein“, sagte der junge Mann. Daraufhin setzte sich der Meister neben diesen ernsthaften jungen Mann und erklärte ihm ruhig: „Der Schmerz des Lebens ist reines Salz; nicht mehr, nicht weniger. Die Menge von Bitterkeit, die wir schmecken, hängt jedoch von dem Behälter ab, in den wir den Schmerz tun. Wenn du also im Schmerz bist, ist das Einzige, was du tun kannst, dein Verstehen der Dinge zu erweitern.

“ Hör auf, ein Glas zu sein.
Werde ein See.“

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